Krankheiten
Verschiedene Gründe für Pflegebedürftigkeit & ihre Anforderungen an die Pflege

Inwieweit ein Mensch in der Bewältigung seines Alltags eingeschränkt ist, hängt häufig von der Schwere seiner Erkrankung ab. Verschiedene Krankheiten und Schicksalsschläge können den Körper schwächen oder psychische Folgen nach sich ziehen. Die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit bestimmt dabei den Grad der Pflegebedürftigkeit. Mobilität und der geistige Zustand spielen hier eine wichtige Rolle. Im Alter können diese auch ohne Vorliegen einer akuten Erkrankung beeinträchtigt sein. Erhöhte Vergesslichkeit und körperliche Einschränkungen erschweren den Umgang mit alltäglichen Situationen und können eine Betreuung erforderlich machen. Dabei ist eine 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause häufig die erste Wahl, um den Betroffenen Beständigkeit und Stabilität zu schenken.

In welchem Maße eine Betreuung erforderlich ist, worauf bei der Pflege von Patienten mit verschiedenen Erkrankungen geachtet werden muss und wann es einer Intensivpflege bedarf, lesen Sie im Folgenden.

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Welche Gründe für Pflegebedürftigkeit gibt es?

Die Gründe für eine Pflegebedürftigkeit sind sehr vielfältig. Nicht immer ist eine Pflegebedürftigkeit gleich stark ausgeprägt, sie hängt von den körperlichen und geistigen Einschränkungen des Pflegebedürftigen ab. Wie stark diese Einschränkungen im Alltag ausfallen, ist in der Regel von der Schwere der Krankheit des Betroffenen abhängig.

Doch nicht immer muss es eine Krankheit sein, die eine 24-Stunden-Pflege notwendig macht. Mit fortschreitendem Alter vermindern sich Kraft und Beweglichkeit des Körpers, die Vergesslichkeit nimmt zu. Aus diesen Gründen sind es vor allem Senioren, die auf Unterstützung im Alltag und eine Form der Pflege angewiesen sind. Die häusliche Betreuung von Senioren macht einen großen Teil des Pflegesektors aus. Unterstützung im Haushalt, Hilfe bei der Körperpflege, dem Ankleiden und der Fortbewegung sowie eine helfende Hand bei der Mahlzeitenzubereitung und der Nahrungsaufnahme gehören typischerweise zu den Aufgaben einer 24-Stunden-Seniorenbetreuung. Weitere Maßnahmen können je nach Pflegebedürftigkeit der betreuten Person hinzukommen.

Da das Risiko für verschiedene Erkrankungen mit dem Alter steigt, sind es häufig Senioren, die aufgrund einer Krankheit pflegebedürftig sind. Doch auch im jüngeren Alter kann eine schwere Erkrankung oder die Rehabilitation nach einer Verletzung eine Pflege notwendig machen. Es sind vor allem chronische Krankheiten oder verschiedene Schicksalsschläge, die eine Pflegebedürftigkeit verursachen können. Neben der medizinischen Behandlung und Betreuung spielt die Pflege eine große Rolle für den Erhalt der Lebensqualität und die Regeneration. In folgenden Situationen kann eine 24-Stunden-Pflege erforderlich sein:

Bei einem großen Teil dieser Erkrankungen ist der Patient körperlich eingeschränkt und aus diesem Grund auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Besonders MS, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Krebs können die körperliche Beweglichkeit und Stärke beeinträchtigen. Senioren mit Demenz oder einer Altersdepression sind nicht immer körperlich beeinträchtigt. Hier ist es in erster Linie der psychische Zustand der Patienten, der eine Pflege und eine umfassende Betreuung erforderlich macht. Liegt eine Bettlägerigkeit mit Bewusstseinsverlust vor, wie es beim Wachkoma der Fall ist, ist eine vollständige Pflege rund um die Uhr unabdingbar.

Auch eine körperliche oder geistige Behinderung kann eine 24-Stunden-Pflege erfordern. Die Einschränkung der Beweglichkeit sowie mögliche geistige Beeinträchtigungen können den Alltag erschweren oder dessen alleinige Bewältigung unmöglich machen. Menschen mit Behinderungen sind so verstärkt auf eine umfassende Betreuung angewiesen.

Pflegegrade

Die Stärke der Pflegebedürftigkeit wird in Pflegegrade eingeteilt. Die Zuordnung eines Patienten zu einem der fünf Pflegegrade bestimmt nicht nur den Betrag des Pflegegeldes, das dem Betroffenen zusteht, sondern definiert auch die Schwere der Pflegebedürftigkeit. So haben Menschen mit geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Pflegegrad 1, Menschen mit schwerster Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung Pflegegrad 5. Die Zuordnung eines Pflegebedürftigen zu einem Pflegegrad erfolgt nach der Antragstellung auf Pflegegrad bei der Pflegekasse. Im Rahmen eines Prüfverfahrens wird der Betroffene persönlich begutachtet und anschließend seiner Pflegebedürftigkeit entsprechend eingestuft.

Welche Anforderungen stellen verschiedene Krankheiten an die Pflegeleistung?

Der Umfang einer Pflegeleistung hängt in erster Linie von der Pflegebedürftigkeit des Betroffenen, also von seinem Pflegegrad ab. Trotzdem fällt auch die Pflege innerhalb desselben Pflegegrades nicht immer gleich aus. Sie ist abhängig von den persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Betroffenen. Inwieweit ein pflegebedürftiger Mensch in der Bewältigung seines Alltags eingeschränkt ist, kann eine Pflegekraft am besten vor Ort selbst einschätzen. Davon kann sie abhängig machen, welche Leistungen in der 24-Stunden-Pflege enthalten sein sollten.

Ein großer Faktor bei der Bestimmung des Pflegeumfangs spielt die Mobilität der zu betreuenden Person. Ist sie mobil und kann selbstständig aufstehen, Treppen laufen und sich fortbewegen, sind viele Aspekte der Pflege und Betreuung erleichtert. Vor allem das An- und Auskleiden, die Körperpflege und Toilettengänge können gemeinsam mit der Pflegekraft gut ausgeführt werden. Auch verschiedene Aufgaben im Haushalt können von der betreuten Person noch selbstständig erledigt werden. Die Pflegekraft bietet ihre Unterstützung, wo sie gebraucht wird, bewahrt der zu betreuenden Person jedoch so viel Selbstständigkeit, wie möglich.

Mit steigender Einschränkung der Mobilität steigen auch die Anforderungen an die Pflege. Ist der Betreute auf einen Rollstuhl angewiesen, können sich das Führen des Haushalts, sowie die Fortbewegung zwischen mehreren Etagen als schwierig gestalten. Hier ist verstärkt der Einsatz des Pflege- bzw. Betreuungspersonals und die Unterstützung durch verschiedene Hilfsmittel (Treppenlifte, Haltegriffe im Bad etc.) gefragt.

Ist ein Patient bettlägerig, ist eine intensivere Pflege vonnöten. Sowohl die Körper- und Intimpflege, als auch das An- und Auskleiden müssen im Liegen durchgeführt werden. Das Abführen ist mithilfe eines Toilettenstuhls oder einer Bettpfanne möglich. Zur Nahrungsaufnahme kann der Patient leicht aufgesetzt werden, indem das Kopfteil des Bettes angehoben wird. Für die Pflege bettlägeriger Patienten sind also zusätzliche Hilfsmittel notwendig, die der Pflegekraft viel erleichtern können. Ist ein Patient zudem nicht bei Bewusstsein, muss er regelmäßig umgelagert werden, um Druckstellen und Dekubitusgeschwüre zu vermeiden. Die Pflege bettlägeriger Menschen bedarf eines guten Fachwissens seitens der Pflegekraft und kann auch verschiedene Techniken der Kinästhetik erfordern. Bei besonders schweren Patienten kann es hilfreich sein, einen männlichen Pfleger für die Pflege heranzuziehen.

Eine Erkrankung, die trotz einer guten Mobilität eine sehr intensive Pflege erfordern kann, ist die Demenz. Demente Menschen sind nicht mehr in der Lage, ihren Alltag selbstständig zu bewältigen. Orientierungslosigkeit, Beeinträchtigungen des Denkvermögens und Schwierigkeiten bei der Kommunikation schränken Betroffene stark ein. Gerade wenn demente Menschen noch mobil sind, ist eine Rundumbetreuung erforderlich. Eine häusliche Betreuung in den eigenen vier Wänden kann dazu beitragen, die Betroffenen nicht aus ihrer vertrauten Umgebung zu reißen und ihnen Stabilität zu schenken. Eine 24-Stunden-Pflege bei Demenz stellt sicher, dass der Pflegebedürftige ausreichend versorgt ist, sich selbst und andere nicht in Gefahr bringt und einen geregelten Tagesablauf hat. Besonders wichtig ist dabei auch der zwischenmenschliche Aspekt. Gespräche und Unterhaltungen mit der Pflegekraft können dazu beitragen, dass der Betreute weiterhin aktiv am Leben teilnimmt und an Lebensqualität gewinnt.

Dies spielt auch bei der Altersdepression eine Rolle. Zurückgezogenheit und Einsamkeit, die im Alter oft durch den Tod des Ehepartners ausgelöst werden, kann im Rahmen einer häuslichen 24-Stunden-Betreuung entgegengewirkt werden. Das Leben unter einem Dach und die gemeinsame Haushaltsführung geben den Betroffenen eine neue Aufgabe und schenken Zeit in liebevoller Gesellschaft.

Was ist Intensivpflege und wann wird sie benötigt?

Unter Intensivpflege versteht man die Versorgung und Betreuung von schwerstpflegebedürftigen Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. In der Regel findet Intensivpflege auf der Intensivstation statt, sie kann jedoch auch im Rahmen einer häuslichen Pflege zuhause erfolgen. Der Patient wird dabei rund um die Uhr betreut, da jederzeit eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann. Das Durchführen einer Intensivpflege erfordert medizinisches Fachwissen, weshalb sie nur von examinierten Pflegekräften ausgeführt werden darf. Eine Zusatzausbildung kann eine Pflegekraft weiter für die Intensivpflege qualifizieren.

Intensivpflege ist erforderlich, wenn gestörte oder ausgefallene Organfunktionen überwacht, unterstützt bzw. ersetzt werden müssen. Dies kann vorübergehend oder von Dauer sein und hängt von der vorliegenden Erkrankung ab. Die Ursachen für eine Funktionsstörung von Organsystemen sind dabei vielfältig. Einschränkungen der Herz-, Lungen- oder Nierenfunktion, Bewusstlosigkeit und komatöse Zustände, sowie ein Schock können Intensivpflege erfordern. Dabei können beatmungspflichtige Patienten, Querschnittsgelähmte, Wachkoma-Patienten, Patienten mit Tumorerkrankungen, Schädel-Hirn-Traumata und Herzrhythmusstörungen zuhause intensivpflegerisch versorgt werden. Um dies gewährleisten zu können, ist spezielles medizinisches Equipment, wie Beatmungsgeräte, Krankenbetten, Dialysegeräte, Überwachungsmonitore etc., erforderlich.

Die Aufgaben einer in der Intensivpflege tätigen Pflegekraft umfassen die Überwachung der Vitalzeichen des Patienten, die Bedienung der notwendigen Apparate, die Körper- und Intimpflege, Lagerungsbehandlungen, das Verabreichen von Medikamenten und ggf. Verbandswechsel. Weitere Tätigkeiten sind auf Anraten eines Arztes möglich. Auch die Intervention bei Eintreten lebensbedrohlicher Situationen und die Reanimation gehören zum Aufgabenbereich der Intensivpflegekraft.