Kosten einer 24-Stunden-Pflege – Pflegegrade

Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen kann anhand von Pflegegraden angegeben werden. Die Einstufung erfolgt über ein Verfahren, das die Selbstständigkeit eines Betroffenen überprüft. Verschiedene Untersuchungsbereiche, die die psychischen, kognitiven und körperlichen Einschränkungen einer Person betrachten, dienen zur Ermittlung des Pflegegrades.

Die Zuordnung eines pflegebedürftigen Menschen zu einem Pflegegrad beschreibt nicht nur dessen Pflegebedürftigkeit, sondern dient auch der Pflegekraft in der Praxis als Orientierung. Anhand des Pflegegrades kann sie die Pflege bzw. Betreuung individuell planen und an die Bedürfnisse der zu betreuenden Person anpassen. Zudem wird auch die Höhe der Geldleistungen der Pflegeversicherung, die Menschen mit anerkanntem Pflegegrad monatlich zustehen, bestimmt. Die Höhe des Pflegegeldes für die häusliche Pflege steigt mit zunehmender Pflegebedürftigkeit. Auf diese Weise beeinflusst der Pflegegrad maßgeblich die Kosten einer 24-Stunden-Pflege in den eigenen vier Wänden.

Was Pflegegrade sind, wer welchem Pflegegrad zugeordnet wird und wie die Ermittlung des Pflegegrades erfolgt, haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt. Zudem lesen Sie, wie die Kosten einer 24-Stunden-Pflege durch den Pflegegrad beeinflusst werden und welche Anforderungen die unterschiedlichen Pflegegrade an die häusliche Pflege stellen.

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Was sind Pflegegrade?

Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen wird anhand von Pflegegraden eingestuft. Die seit dem 01.01.2017 geltenden Pflegegrade 1, 2, 3, 4 und 5 spiegeln die Einschränkung der Selbstständigkeit einer Person wider. Die fünf Pflegegrade ersetzen die zuvor geltenden Pflegestufen 1, 2 und 3, die mit Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetztes (PSG II) abgelöst wurden. Auch die Pflegestufe 0, der zuvor Demenzkranke zugeordnet wurden, wurde nun durch die Pflegegrade ersetzt. Die Zuordnung zu einem Pflegegrad sichert Betroffenen Leistungen aus der Pflegeversicherung zu. Je nach Pflegegrad werden pflegebedürftigen Menschen unterschiedliche Beträge an Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen gezahlt.

Die fünf Pflegegrade sind dabei wie folgt definiert:

Je nach Schwere ihrer Pflegebedürftigkeit werden Betroffene einem der fünf Pflegegrade zugeordnet und erhalten daraufhin entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Wie erhalten Betroffene einen Pflegegrad?

Um einen Pflegegrad zugewiesen zu bekommen, muss ein Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Zuordnung zu einem der fünf Pflegegrade erfolgt anhand einer persönlichen Begutachtung des Betroffenen durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Dieser überprüft die Selbstständigkeit der betroffenen Person und gibt eine Empfehlung über den geeigneten Pflegegrad ab. Welchem Pflegegrad eine Person letztendlich zugeordnet wird, entscheidet die Pflegekasse.

Die Überprüfung der Selbstständigkeit einer betroffenen Person erfolgt über ein neues Prüfverfahren, das den Pflegebedürftigen anhand einer Punktevergabe einem Pflegegrad zuordnet. Das sogenannte NBA („Neues Begutachtungsassessment“) schließt unterschiedliche Aspekte der Selbstständigkeit in die Ermittlung des Pflegegrades ein. Neben der Mobilität und der Selbstversorgung gehören auch kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte sowie die Bewältigung bzw. der Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Belastungen zum NBA. Anhand der verschiedenen Kategorien werden Punkte verteilt, die mit unterschiedlicher Gewichtung eine Endpunktzahl ergeben. Diese bestimmt letztlich den Pflegegrad einer Person. Da die Ermittlung des Pflegegrades und die Vergabe bzw. Verrechnung der einzelnen Punktwerte sehr komplex ist, kann die Beantragung Zeit in Anspruch nehmen. Zudem kann die Pflegegradermittlung nur von einem geschulten Experten vorgenommen werden.

Hat ein pflegebedürftiger Mensch vor der Einführung der Pflegegrade in 2017 bereits einer Pflegestufe angehört, wird er nicht erneut begutachtet. Seine Pflegestufe wird in den entsprechenden Pflegegrad umgewandelt und so dem neuen System angepasst. Dabei wird kein Pflegebedürftiger nach der neuen Einstufung schlechter gestellt, in der Regel erhält er sogar höhere Leistungen als zuvor.

Inwiefern beeinflusst der Pflegegrad die Kosten einer 24-Stunden-Pflege?

Die Zuordnung zu einem Pflegegrad kann die Kosten einer häuslichen 24-Stunden-Pflege maßgeblich beeinflussen. Grund dafür sind die unterschiedlichen Beträge an Pflegegeld, die je nach Pflegegrad von der Pflegeversicherung ausgezahlt werden. Für die häusliche Pflege eines Pflegebedürftigen zahlt die Pflegekasse monatliches Pflegegeld, das eine angemessene Pflege im eigenen Zuhause finanziell unterstützen soll. Da Art und Umfang der Pflege in erster Linie von der vorhandenen Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen – also dessen Pflegegrad – abhängen, fällt das Pflegegeld je nach Pflegegrad unterschiedlich hoch aus.

Seit 2017 wird Menschen mit anerkanntem Pflegegrad folgender Betrag an Pflegegeld monatlich ausgezahlt:

Geldleistungen in Form von Pflegegeld werden ausgezahlt, wenn ein Pflegebedürftiger zuhause gepflegt und betreut wird. Pflegegold vermittelt Pflege- und Betreuungskräfte für die häusliche Pflege. Unsere Kunden bzw. deren pflegebedürftige Angehörige haben demnach Anspruch auf monatliche Geldleistungen der Pflegekasse in Form von Pflegegeld. Dieses Pflegegeld kann dazu genutzt werden, einen Teil der Kosten für die 24-Stunden-Pflege im eigenen Zuhause zu decken. Da mit steigendem Pflegegrad mehr Pflegegeld für die häusliche Pflege und Versorgung von der Pflegeversicherung gezahlt wird, wird die Rundumbetreuung durch eine Pflegekraft zuhause mit zunehmender Pflegebedürftigkeit günstiger. Der Betrag, der von einem pflegebedürftigen Menschen oder dessen Angehörigen privat gezahlt werden muss, um die Kosten für eine 24-Stunden-Betreuung zu decken, wird also mit steigendem Pflegegrad geringer.

Wie sieht die Pflege bei verschiedenen Pflegegraden aus?

Die sechs Untersuchungsbereiche, die bei der Ermittlung des Pflegegrades einer Person im Rahmen des NBA betrachtet werden, dienen auch in der Pflege als wichtige Orientierung. An den sogenannten Pflegegrad-Modulen, die ursprünglich die körperlichen, psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen einer Person beschreiben, können sich Pflegekräfte in der Praxis orientieren.

Zu den Pflegegrad-Modulen zählen:

Anhand dieser Module und den in der Pflegegradermittlung verteilten Punkten kann die Pflegekraft den Pflegebedarf einer Person ermittelten. In der praktischen Pflege kommen neben den sechs Pflegegrad-Modulen auch die Module „Außerhäusliche Aktivitäten“ und „Haushaltsführung“ hinzu. Diese dienen der Pflegekraft ebenfalls als Orientierung für die individuelle Pflegeplanung, gehen jedoch nicht in die Ermittlung des Grades der Selbstständigkeit einer Person anhand des NBA mit ein.

Wie sich die Pflege einer pflegebedürftigen Person letztlich gestaltet, ist individuell verschieden. Da sich körperliche, psychische und kognitive Einschränkungen in unterschiedlichem Maße zeigen und nicht zwangsläufig gleichermaßen ausgeprägt sind, kann die Pflege sehr unterschiedlich ausfallen. Zu Beginn sollte sich die Pflege- bzw. Betreuungskraft am Pflegegrad der zu betreuenden Person orientieren. Im Laufe ihrer Tätigkeit wird jedoch deutlich werden, in welchen Bereichen der Betreute verstärkt Hilfe benötigt und welche Aktivitäten er noch selbstständig ausführen kann. Die Bewahrung der Selbstständigkeit steht dabei immer im Fokus. Tätigkeiten, die der Pflegebedürftige selbstständig ausführen kann und will, sollten nicht von der Pflegekraft übernommen werden. Das Anbieten von Hilfe und die Unterstützung in Situationen, die der Pflegebedürftige nicht mehr eigenständig bewältigen kann, gehören hier zu den Aufgaben der Pflegekraft. Durch die gemeinsame Wohnsituation im Rahmen der häuslichen 24-Stunden-Pflege verbringen Betreuter und Betreuer viel Zeit miteinander, wodurch die Bedürfnisse der zu betreuenden Person und die Anforderungen an die Pflegeleistung schnell klarwerden. Mit der Zeit kann eine Routine entstehen, die alle pflegerischen und sozialen Aspekte der Betreuung optimal erfüllt. So wird auf die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen individuell eingegangen.

In bestimmten Fällen, vor allem bei Menschen mit Pflegegrad 5, können besondere Anforderungen an die Pflege vorhanden sein. Auch Intensivpflege mit speziellem medizinischen Equipment und Geräten kann hier vonnöten sein. In diesem Fall sollte die eingesetzte Betreuungs- bzw. Pflegekraft besonders geschult sein und über ausreichendes Fachwissen verfügen. Auch die Betreuung von Demenzkranken erfordert bestimmte Kenntnisse. Diese werden den Pflege- und Betreuungskräften im Rahmen von Weiterbildungen und Workshops vermittelt. Generell sollte die Betreuung und Pflege eines Menschen nur durch eine Pflegekraft erfolgen, die über ausreichend Erfahrung in der häuslichen Pflege verfügt und Menschen anhand ihres Pflegegrades gut einschätzen kann.